Eindrücke aus den Begegnungen Schuljahr 2017/2018

Das Bernhardinum bietet seinen Schülern seit dem Herbst vergangenen Jahres die Möglichkeit, sich an Projekten zu beteiligen, welche die Begegnung und das Kennenlernen Jugendlicher und junger Erwachsener mit Fluchterfahrung ermöglichen. Es finden unter der Woche verschiedenste Projekte statt, die im Folgenden etwas näher beleuchtet werden:

Montags findet die erste Begegnung der Woche statt. Zu Beginn muss gesagt werden, dass es immer sehr lustig ist und viel Freude bereitet. Nachdem man einige Male bei den Sportspielen teilnahm, kennt man viele Jugendliche schon ziemlich gut. Sie sind in der Einrichtung ALMA untergebracht, womöglich hast du davon schon etwas gehört. Jede Woche kommen 8 bis 12 von ihnen zum Sport; stets mit großer Freude und Motivation. Davon wird man zwangsweise auch angesteckt. Wir spielen bei den Treffen verschiedene Spiele. Die Sportarten wechseln in der Regel wöchentlich. Der Elan und der Eifer in der Gruppe, das Neue kennenzulernen, erfassen jeden von uns. Es fällt auf, wie sehr die Jugendlichen die deutsche Sprache erlernen wollen. Sie beherrschen sie recht gut. Da man aber im Sport nicht so viele Worte benötigt und sich auch über Körpersprache sehr gut verständigen kann, macht das Spielen mit den Geflüchteten viel Spaß und man entdeckt jedes Mal etwas, das man vorher noch nicht wusste. Was unbedingt erwähnt werden muss, ist, dass man beim Sporttreiben einen Menschen auf eine ganz andere Weise kennenlernt. Nicht nur den syrischen Jugendlichen sondern auch die eigenen Mitschüler, die man teilweise nur vom Sehen her kennt, nährt man sich anders an.

An jedem Mittwoch wird in der Diakonie, welche sich in der Bergstraße 1A befindet, die Möglichkeit des gemeinsamen Kochens angeboten. Hinter dieser Begegnung verbirgt sich allerdings viel mehr: Es werden sowohl arabische als auch deutsche Nationalgerichte gekocht. Sie sind immer sehr schmackhaft und für die eine Seite der Jugendlichen eine neue kulinarische Erfahrung. Das, was das gemeinsame Treffen zu etwas ganz Besonderem macht, sind nach unserer Wahrnehmung vor allem die Gespräche mit den Jugendlichen.  Der Räumlichkeiten sind mit ungefähr 20 Teilnehmern sowie dem Projektleiter und einem Sozialarbeiter aus Syrien gefüllt. Am Anfang fand der Kennenlernen-Prozess statt. Es wurden Namen, die Herkunft, das Alter ausgetauscht. Diese Unterschiede spielten jedoch keine Rolle mehr, als wir uns über die Schule, unsere Interessen und Hobbys unterhielten. Auch wenn die meisten Jugendlichen aus Syrien stammen, deren Kultur anders ist als die der Deutschen, teilen wir viele Gemeinsamkeiten. Es ist sehr interessant, Neues kennenzulernen und zu erfahren. Da staunt man schnell, weil man so vieles entdeckt. Das erweckt Neugier auf mehr. Die Jugendlichen sind zwischen 16 und 20 Jahre alt. Viele besuchen die Schule, um hier in Deutschland ihren Schulabschluss zu absolvieren. Sie teilen mitunter unsere Erfahrungen und führen selbst ein Schüler-Leben. Das viele Lachen und die entspannte Atmosphäre stehen dabei im Vordergrund. Diese Begegnung wird von uns als Höhepunkt in der doch recht stressvollen Woche angesehen. Hier können wir alles Beschwerliche in den gemeinsam verbrachten Stunden vergessen und einfach Spaß haben sowie miteinander lachen. Interessant und uns besonders wichtig ist es, die Geschichten von betroffenen Menschen persönlich zu erfahren.

Donnerstags findet – ebenfalls in der Diakonie – eine Hausaufgabenbetreuung statt. Die Begrüßung ist wie immer sehr freundlich. Wir helfen den größtenteils aus Syrien kommenden Jugendlichen bei ihren Hausaufgaben. Sie besuchen die achte und neunte Klasse. Man merkt immer wieder, dass Deutsch eine schwierige Sprache ist. Trotz alledem versuchten wir, auch komplexe Aufgaben zu erklären, was gar nicht so leicht ist. Auch beim Auswendiglernen eines Gedichtes von Goethe halfen wir. Da wurde viel gelacht, gerade wenn wir versuchten zu erklären, was Goethe mit diesem Gedicht sagen wolle. Doch seien wir mal ehrlich: Arabisch klingt auch krass kompliziert! Wenn einmal nicht so viele Hausaufgaben zu erledigen sind, dann bleibt noch mehr Zeit für Unterhaltungen und Späße. Wir lachen zusammen sehr viel.  Es wird unwesentlich, dass wir in verschiedenen Ländern aufgewachsen sind. Um sich zu verstehen, braucht es nicht viel. Die Nachmittage sind sehr schön und wir können viel davon mitnehmen.

Immer freitags zwischen 14 und 16 Uhr  versammeln wir uns beim Domtreff. Der Beginn sowie das Ende sind offen; man kommt zu der Zeit, wann man kann und will. Zurzeit sind wir zwischen fünf und sieben Schülerinnen und Schüler aus den Jahrgängen 10 und 11. Die Gruppenzusammensetzung und -größe ist unterschiedlich. Man muss sagen, dass die Teilnehmeranzahl vor allem von der Uhrzeit abhängt. Viele der jungen Erwachsenen gehen einer Beschäftigung nach oder besuchen  Deutschkurse. In der Regel ist der Großteil aber bis 15 Uhr im Dom. Es sind alle jungen Erwachsenen bis 26 Jahre eingeladen und herzlich willkommen. Wenn das Treffen gut besucht ist, sind wir anteilsmäßig betrachtet gleich viele. Das ist eine schöne Mischung. Viele Geflüchtete kommen aus Syrien. Allerdings stammen manche auch aus anderen Ländern des Nahen Ostens. Es geht bei diesem Treffen darum, einfach Spaß zusammen zu haben und ein bisschen den Stress und Trubel, von dem man umgeben ist, für ein paar Stunden zu vergessen. Die Syrerinnen und Syrer spielen leidenschaftlich gern Tischkicker. Sie sind wahre Profis darin und ich wage zu behaupten, dass sie besser sind als die Deutschen! Doch all dies sind Dinge, die man normalerweise nicht kennenlernt, wenn man sich mit der Kultur der Länder auseinandersetzt. Es ist lohnenswert, einfach mal vorbeizuschauen und jemanden auf ein Spiel herauszufordern. Nur so kann man derartige Dinge erfahren. Es werden aber auch viele andere Spiele gespielt, zum Bespiel UNO Extreme oder Stadt-Land-Vollpfosten. Letzteres ist sehr lustig und vor allem noch ein bisschen herausfordernder, weil arabische als auch deutsche Begriffe zählen.

Nebenbei und währenddessen bietet sich die Möglichkeit, untereinander Gespräche zu führen. Auf diese Weise erfährt man vieles über die Anwesenden und ihre Heimat. Ich will ein bisschen konkreter werden: Es nimmt beispielsweise viele Syrer immer wieder wunder, dass bei uns in Deutschland an den Schulen noch immer Latein angeboten wird. Für sie ergibt das einfach keinen Sinn, da diese Sprache doch nicht mehr gesprochen wird. Auf der anderen Seite habe ich erfahren, dass das Eislaufen in Syrien sehr populär ist. Das hätte ich nicht erwartet! Du etwa? Abgesehen von diesen „Kulturvergleichen“, bei denen man immer wieder Erstaunliches, nicht nur Unterschiedliches sondern auch viele Gemeinsamkeiten feststellt, spricht man über viele Angelegenheiten, die den Alltag begleiten. Dazu trinken wir arabischen Schwarztee – meist mit sehr viel Zucker. Dann schmeckt er eigentlich jedem. Manchmal gibt es auch Hummus und köstliches arabisches Fladenbrot. Die Atmosphäre ist entspannt und man genießt die gemeinsame Zeit im Dom. Ganz besonders eindrücklich für mich ist es, den arabischen Humor kennengelernt zu haben. Wir lachen meist sehr viel und haben – wie bereits erwähnt – viel Spaß zusammen. In diesem Sinne lade ich alle Interessierten dazu ein, bei Interesse vorbeizuschauen. Wir freuen uns auf euch!

Sicherlich waren wir vor dem ersten Treffen – unabhängig vom Projekt – etwas nervös und auch aufgeregt. Man fragt sich, wie man wohl aufgenommen würde. Noch ist alles unbekannt. Doch auch du wirst sofort die offene und willkommen heißende Art der Araber erkennen. Auf der Stelle fühlt man sich aufgenommen und kann gar nicht anders, als schon in der nächsten Woche wieder vorbeizukommen. 

Marc Schulze   Berivan Kocak   Thao My Luong    Anouk Schrape   Jana Lambrecht   Charlotte Glaser    Marie Mooz